Sylvensteinspeicher

Stahlwasserbau

Stahlwasserbauliche Verschlussorgane
Ähnlich dem Ablauf einer Badewanne verfügt der Sylvensteinspeicher über zwei, auf Höhe des Seegrundes liegende Abgabeorgane: den Triebwasserstollen und den Grundablass. Durch diese beiden Auslässe wird die Abflussmenge aus dem Stausee kontrolliert gesteuert. Nur so ist es möglich, eine ganzjährig ausreichende Wasserführung der Isar aufrecht zu erhalten und im Hochwasserfall die Sicherheit entlang der Isar über den Großraum München hinaus bis nach Niederbayern zu gewährleisten.

 

 

 

 

 

 

 

Diese Abgabeorgane sind seit dem Bau des Sylvensteindammes 1959 erfolgreich in Betrieb. Durch die Dammerhöhungen in der Vergangenheit liegt heute der Höchststau um 5 m höher als in den 50er Jahren geplant. Weder die Schütztafeln noch das Antriebssystem sind dauerhaft auf den heute möglichen Höchststau ausgelegt. Der mit 60 Jahren Betriebszeit ans Ende seiner Lebensdauer gekommene Stahlwasserbau wurde schließlich beim Hochwasser 2013 mit einer bis dato unerreichten Stauhöhe von 762,95 m üNN derart stark beansprucht, dass eine zeitnahe Sanierung des Stahlwasserbaus erforderlich wurde.

 

Zweck des Vorhabens
Grundablass- und Triebwasserstollen sind neben den Kraftwerken die einzigen steuerbaren Abgabeorgane des Sylvensteinspeichers und somit von elementarer Bedeutung für die Hochwasserbewirtschaftung und Niedrigwasseraufhöhung. Die Bedeutung einer gezielten Steuerung der Abgabemenge des Sylvensteinspeichers für die Isaranlieger wurde beim Hochwasser im Juni 2013 ein weiteres Mal deutlich. Bei Vollstau können über den Grundablass- und Triebwasserstollen bis zu 350 m³/s bzw. 230 m³/s in die Isar abgegeben werden.

 

Bild Statische Bemessung der SchütztafelnBild vergrössern Statische Bemessung der Schütztafeln

 

Ziel der Maßnahmen ist es daher, die uneingeschränkte Funktionstüchtigkeit der Abgabeorgane auch zukünftig zu gewährleisten, damit der Sylvensteinspeicher die hohen Beanspruchungen bei vermutlich stärkeren Hochwasserereignissen gut und sicher aufnehmen kann.
Mit der Erneuerung des Stahlwasserbaus schafft der Freistaat Bayern an der Isar zeitgemäßen und zukunftsweisenden Hochwasserschutz auf höchstem Niveau. Über den Großraum München hinaus bis nach Niederbayern ist dies ein wesentlicher Beitrag zur Hochwassersicherheit des Isartales.

Kurzbeschreibung der Maßnahme
Die Erneuerungen umfassen im Triebwasser- und Grundablassstollen vor allem die vier 13 m² bzw. 19 m² großen und 15 to bzw. 21 to schweren zweiteiligen Schütztafeln mit ihren mechanischen Windwerken, die durch moderne Hydraulikantriebe ersetzt werden. Im Zuge dieser Maßnahme werden außerdem die Stollenpanzerung und Schützbelüftung saniert sowie eine Krananlage und ein Treppenturm in die etwa 30 m tiefen Schächte eingebaut.
Da der Sylvensteinspeicher auch in der Bauzeit alle Aufgaben erfüllen muss, steht für die Bauausführung nur die hochwasserarme Winterzeit zur Verfügung.
Um einen gleichzeitigen Ausfall beider Abgabeorgane zu vermeiden, werden die Arbeiten zeitlich versetzt ausgeführt. In den Wintern 2016/17 und 2017/18 wurde zunächst der leistungsstärkere Grundablass saniert und in Betrieb genommen. Nach Vorarbeiten in 2018/19 folgt anschließend in 2019/20 der Triebwasserstollen.
Während der Bauzeiten kann der planmäßig hergestellte und dauernd überwachte Ausfall eines Abgabeorgans innerhalb kurzer Zeit durch Räumung der Baustelle wieder aufgehoben werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorhabensträger und Finanzierung
Der Sylvensteinspeicher ist eine staatliche Talsperre und dient dem Hochwasserschutz sowie der Niedrigwasseraufhöhung der Isar. Die Ausbau- und Unterhaltungslast liegen damit beim Freistaat Bayern, vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim.
Die Erneuerung des Stahlwasserbaus wird gefördert aus Mitteln des Aufbauhilfefonds zum Hochwasser 2013. Die Kosten für Planung und Bau werden auf etwa 10 Mio. € geschätzt.

 

Bild Ausbau der alten SchütztafelnBild vergrössern Ausbau der alten Schütztafeln

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Detaillierte Informationen zu den abgeschlossenen Arbeiten können dem nachfolgenden Fachartikel entnommen werden:

Zum Fachartikel "Der Sylvensteinspeicher – Nachrüstungen"
aus WasserWirtschaft · 2018 Nr. 6. S. 30
www.springerprofessional.de/wawi

Zum Fachartikel "Retrofitting the Sylvenstein reservoir"
aus WasserWirtschaft extra· 2018 S1 S. 25
www.springerprfessional.de/wawi

 

 

Weiterführende Informationen

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Stand:
Juni 2018