Umgestaltung der Wehranlage
an der Würm in Gauting
Allgemeines / Anlass des Vorhabens
Allgemeines und Anlass des Vorhabens
Zuständigkeit und Lage
Die Würm ist ein Gewässer I. Ordnung, für das der Freistaat Bayern zum Unterhalt verpflichtet ist. Der Fluss durchfließt auf ihrem Weg vom Starnberger See in die Amper u.a. die Gemeinde Gauting. Die zweistufige Wehranlage, welche zurückgebaut werden soll, befindet sich im innerörtlichen Bereich von Gauting.

Lage des Wehrs in der Würm
Das Wehr befindet sich im Würm-Abschnitt oberhalb des Schlossparks an der Lederer Straße in Gauting. Rechts der Würm schließt sich eine Parkanlage mit einem Rad und Fußweg sowie einer für den allgemeinen Verkehr gesperrten Straße an. Durch diese Parkanlage fließt der Lederer Bach, der unmittelbar an der Fußgängerbrücke oberhalb des Wehres abgeleitet und auf Höhe der zweiten Wehrschwelle der Würm wieder zugeführt wird.

Zweistufige Wehranlage in der Würm an der Lederer Straße
In der Entscheidung vom 09.03.1989 weist die Regierung von Oberbayern in Folge der Aufstufung der Würm zum Gewässer I. Ordnung auch die Wehranlage, die von einer Versicherungsgesellschaft zunächst auf die Gemeinde Gauting übergegangen war, der Unterhaltsverpflichtung des Freistaat Bayerns zu.
Räumliche Gegebenheiten und Zustand der Wehranlage
Die in den 1970er Jahren für den Betrieb einer Papierfabrik im Flusslauf der Würm errichtete Wasserkraftanlage wurde in der Vergangenheit mit Ausnahme des Wehrkörpers vollständig zurückgebaut. Derzeit besteht nur noch die zweistufige Wehranlage, die insgesamt eine Fallhöhe von 1,62 m, gemessen vom Oberwasser des Wehrhöckers zum Unterwasser der Anlage, überwindet. Betrachtet man den Höhenunterschied von der Wehrkrone nach Unterstrom, so wird ein Unterschied von 2,15 m überwunden.

Wehr in der Würm bei Fkm 28,85
Ein deutliches Stück weiter flussaufwärts befindet sich die Ausleitungsstelle für den Lederer Bach, durch den eine sehr geringe Menge Wasser abgeführt wird. Sowohl die Ufer der Würm als auch des Lederer Bachs sind abschnittsweise verbaut. Der Verbau ist jedoch in weiten Teilen baufällig oder bereits verfallen. Die Uferbereiche der Insel sind, bis auf den Bereich am Wehr, unverbaut.
Ökologische Durchgängigkeit
Fließgewässer bilden natürlicherweise vernetzte Lebensräume, welche durch den Bau von Querbauwerken, wie z. B. Wehre, unterbrochen werden. Diese Querbauwerke bilden Barrieren für Lebewesen und Sedimente, was zu Lebensraumzerschneidungen und einem fehlenden Abtransport von Feinkiesen führt. Dies führt zur Verfestigung der Gewässersohle, wodurch sich z. B. Fische nicht fortpflanzen können, da eine lockere, kiesige Gewässersohle zur erfolgreichen Laichablage fehlen. Die zerschnittenen Wanderwege und die fehlenden Laichplätze führen zu einer Verschlechterung der Bestandssituation der Fischfauna, was sich auch in den Bewertungskomponenten der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie widerspiegelt. Diese fordert den guten ökologischen Zustand aller Oberflächengewässer. Derzeit verfehlt die Würm den guten ökologischen Zustand auf Grund von Defiziten bei der Qualitätskomponente Fischfauna. Daher müssen auch an der Würm Maßnahmen ergriffen werden, um den ökologischen Zustand zu verbessern. Hierfür wurde ein Umsetzungskonzept erstellt, in dem der Wehrumbau als Maßnahme verortet wurde, um die Durchgängigkeit für das aquatische Leben wiederherzustellen.
Im ehemaligen Triebwerkskanal wurde in der Vergangenheit durch Einbauen von Wasserbausteinen in einer beckenartigen Anordnung versucht, eine fischökologische Durchgängigkeit im Bestand herzustellen. Diese Fischaufstiegsanlage ist in ihrer jetzigen Form aufgrund der zu kleiner Becken nicht hinreichend funktionsfähig.
Planung
Umgestaltung der Wehranlage an der Würm in Gauting - Planung
Grundgedanke der Planung
Hauptaufgabe der Planungsaufgabe ist es, die biologische Durchgängigkeit am Wehr herzustellen und dabei die Hochwassersituation nicht zu verschlechtern. Da sich die Wehranlage im Ortsbereich an einem sehr stark frequentierten Spazier- und Wohnweg, zwischen zwei Stegen im Abstand von 200 m befindet, ist der zweite große Aspekt in der Planung, eine gestalterisch ansprechende Lösung zu finden, die den Charakter der Parkanlage, insbesondere deren Baumbestand, so weit wie möglich erhält.

Parkanlage mit Baumbestand in Blickrichtung Osten
Da das Wehr mit seinen technischen Anlagenteilen mittlerweile mindestens 50 Jahre alt ist und auch die Stützmauer am linken Ufer bereits heute schon stark sanierungsbedürftig ist, wurden verschiedene Alternativen betrachtet. In diesem Prozess erwiesen sich eine Sanierung der linken Ufermauer, verbunden mit einem vollständigen Rückbau des Wehres, als die Maßnahmenbestandteile, die allen Varianten gemeinsam sind. Für das Herstellen der Durchgängigkeit für wassergebundene Organismen zeigte sich ein Raugerinne mit Störsteinen als die dem Naturraum am nächsten kommende, sowie gestalterisch ansprechendste und gleichzeitig wirtschaftlichste Variante. Hierbei soll in Anlehnung an die historisch belegten Gegebenheiten an der Stelle die Einbindung des Lederer Bachs als beinahe gleichberechtigter Nebenarm der Würm erfolgen. Dieser soll, wie das Hauptgerinne, ebenfalls in Form eines Raugerinnes mit Störsteinen fischpassierbar ausgestaltet werden.
Umgang mit der Parkanlage
Um zu gewährleisten, dass die zwei Raugerinne die nötigen Voraussetzungen für eine Durchgängigkeit erfüllen, wird die Würm in ihrem Querschnitt auf 7 m Breite verringert und der Lederer Bach auf eine Breite von 5 m aufgeweitet. Dies hat zur Folge, dass die Insel zwischen Würm und Lederer Bach verlagert werden muss. Um die bestehende Wegebeziehung aufrecht zu erhalten, sind zwei neue Brücken vorgesehen. Am südwestlichen Ende der Insel soll eine Schwerlastbrücke gebaut werden. Im Nordosten der Insel wird eine architektonisch ansprechende Brücke über den Lederer Bach errichtet. Um bei der Wegeführung einen Großteil der Vegetation zu erhalten, wurde sensibel auf den Baumbestand Rücksicht genommen. Eine weitere Maßnahme für den Erhalt des naturnahen Charakters wird es sein, Großbaumverpflanzungen vorzunehmen. Hierfür werden ausgewählte Bäume, die aufgrund ihres Standorts neuer Wasserfläche weichen müssten, von einer Fachfirma ausgestochen, zwischengepflanzt und nach Beendigung der Gewässerverlegungen an ihren endgültigen Standort eingepflanzt.

Für Großbaumverpflanzung vorgesehene Trauerweide

Für Großbaumverpflanzung vorgesehene Bergulme

Für Großbaumverpflanzung vorgesehener Feldahorn

Für Großbaumpflanzung vorgesehener Bergahorn
Um die Parkanlage zusätzlich aufzuwerten, soll im Südwesten ein Bereich mit Geländestufen entstehen, der einen Zugang zum Gewässer bietet. Um eine Flachwasserzone zu schaffen, ist eine kleine, vorgelagerte Kiesinsel vorgesehen. Dadurch soll die Würm ein Stück erlebbarer werden.
Gefälleunterschiede werden durch langgezogene Stufen überwunden, die in Holzbauweise ausgeführt werden sollen, um den naturnahen Charakter zu erhalten. Für Kinder ist ein großer toter Baum als Kletterhindernis beabsichtigt. An dieser Stelle kann zusätzlich ein Ort zum Verweilen mit Bänken und einem Tisch entstehen, wobei der Hauptweg nach wie vor zum Spazieren einlädt.
Im südlichen Teil der Anlage, sieht die Planung eine Wassertretanlage im aufgeweiteten Lederer Bach vor. Ein 0,90 m breiter Weg führt zwischen dem erhaltenen Baumbestand hindurch zu Steinstufen, die in die Böschung eingebunden werden und zu einer ca. 2,20 m breiten Ausbuchtung mit einem Handlauf im Wasser führen. Bei Mittelwasserstand beträgt die Wassertiefe dort ca. 45 cm. Oberhalb des Beckens, zu Beginn der Stufen, wird eine Bank aufgestellt.
Bei der Gestaltung der Wege wird darauf geachtet, dass diese wie im Bestand barrierefrei angelegt werden.
Bauausführung
Umgestaltung der Wehranlage an der Würm in Gauting - Bauausführung
Die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Wehres haben noch nicht begonnen.
Ihre Ansprechpartner im Wasserwirtschaftsamt:
Frau Christine Kurtzius, Tel. 0881 / 182-155
Herr Markus Brandtner, Tel. 0881 / 182-191
Stand: September 2026
