Trinkwasser - Unser Lebensmittel Nr. 1

Kein anderes Lebensmittel ist so unersetzbar wie Trinkwasser. In Bayern werden 92% des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen. Meistens ist die Qualität des Grundwassers so gut, dass es unbehandelt in das Leitungsnetz gegeben werden kann. Trinkwasser ist das am besten überwachte Lebensmittel: Die Trinkwasserverordnung fordert, es regelmäßig zu überprüfen.

Doch den Wert dieses Geschenks vergessen wir allzu leicht. Wer im Urlaub erfahren hat, dass Süßwasser knapp ist, oder dass es vor dem Trinken abgekocht werden muss, freut sich bei seiner Rückkehr über fließend sauberes Wasser daheim: Klar, appetitlich und natürlich frei von Krankheitserregern - direkt aus dem Hahn.

Trinkwasserherkunft im Amtsbereich

Der Amtsbezirk des WWA Weilheim umfasst die Landkreise Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen, Garmisch- Partenkirchen, Landsberg am Lech und seit 01.01.2006 zusätzlich den Landkreis Starnberg.

In den 8 Städten und 114 Gemeinden der Landkreise sind 148 Wasserversorgungsunternehmen tätig, die 199 Wassergewinnungsanlagen mit 236 Brunnen und 116 Quellen betreiben. Damit besteht in unserem Raum eine sehr kleinräumige und vielfältige, dezentrale Versorgungsstruktur mit einer hohen Zahl von meist ortsnahen Wasserfassungen.

Das Wasserwirtschaftsamt berät die Kommunen zusätzlich zu ihrer eigenen Anlage einen leistungsfähigen Verbund mit einer Nachbaranlage einzurichten und vorzuhalten. Inzwischen sind viele Versorgungsanlagen so ausgelegt, dass sie im Notfall kurzfristig miteinander verbunden werden können.

Versorgungssituation und Versorgungsstruktur
Die fünf Landkreise unseres Amtsbezirkes haben rd. 580.000 Einwohner. Davon sind ca. 570.000 an öffentliche Wasserversorgungsanlagen angeschlossen. Dies entspricht einem Anschlussgrad von 98,5%. Allerdings ist ein gewisser Anteil der Bevölkerung noch an meist ältere Anlagen angeschlossen, die einer Sanierung bedürfen. Für etwa 1,0% der Bevölkerung müssen wir auch in Zukunft davon ausgehen, dass ein Anschluss an zentrale Anlagen auch langfristig aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage kommt.

Wo heute noch im Amtsbezirk des WWA Weilheim erstmalig zentrale Versorgungen errichtet werden müssen, betrifft dies meistens abgelegene kleine Ortsteile mit hohen Erschließungskosten.

Die vorhandene dezentrale Versorgungsstruktur mit den Verbundleitungen ist die beste Ausgangsbasis um Wasserprobleme aufgrund des prognostizierten Klimawandels weitgehend abfedern oder sogar vermeiden zu können.

Wasserdargebot

Die Landkreise im Amtsbezirk des WWA Weilheim umfassen eine Fläche von 4.382 km2. Ausgehend von einer natürlichen Grundwassererneuerung durch Niederschlag und Versickerung in der Größenordnung von rd. 10 l/sec und km2 ergibt sich pro Tag eine Grundwasserneubildung von ca. 3.800.000 m3. Selbst wenn man unterstellt, dass für die höherwertige Nutzung der öffentlichen Wasserversorgung nur 20% erschlossen werden können, stehen immer noch rd. 760.000 m3 pro Tag zur Verfügung.

Angesichts der Prognosen zur Klimaänderung wird diese verfügbare Menge in Zukunft allerdings zurückgehen. Eine Aussage zum zukünftigen Wasserdargebot kann derzeit niemand verlässlich machen.

Wasserbedarf

Entsprechend den vorhandenen Statistiken beträgt der Wasserverbrauch bei uns ca. 160 l pro Tag und Person. Darin ist der Verbrauch von Kleingewerbe etc. eingerechnet. Bei einer Einwohnerzahl von 580.000 Menschen beträgt somit der Wasserbedarf täglich etwa 93.000 m3 (= ca. 1 m3/s, was etwa sechs Badewannen pro Sekunde entspricht). Die Gesamtwasserbilanz ist für den Zuständigkeitsbereich des Wasserwirtschaftsamtes positiv. Wir sind zum Glück noch weit davon entfernt, ein Mengenproblem zu haben auch bei einer in Südbayern mittelfristig (bis 2020) leicht steigenden Einwohnerzahl von ~ 4 – 5%.

Wasserqualität

Die Voraussetzungen für eine qualitativ gesicherte Wasserversorgung sind bei uns sehr günstig. 100% des Trinkwassers können aus naturreinem Grund- und Quellwasser gewonnen werden. Der Bundesdurchschnitt liegt dagegen nur bei 70%. Auf die Nutzung von aufbereitetem Oberflächenwasser kann bei uns vollständig verzichtet werden.

Um die gute Wasserqualität zu bewahren, sind für alle öffentlichen Wassererschließungen Trinkwasserschutzgebiet festgesetzt. In den 5 Landkreisen sind demzufolge 195 Schutzgebiet ausgewiesen.

Alle Wasserversorgungen halten bezüglich der chemisch-technischen Parameter die Grenzwerte nach TrinkwVO ein, die meisten unterschreiten die zulässigen Werte sogar um ein Vielfaches. In einigen Anlagen wird als zusätzliche Sicherheit das Wasser desinfiziert. Während früher Chlor eingesetzt wurde, geht der Trend zur UV Desinfektion, falls erforderlich in Verbindung mit vorhergehender Trübstoffentfernung, meist in Form von Ultrafiltration.

Wasserversorgung vor dem Hintergrund des Klimawandels

Einen Vorgeschmack auf den Klimawandel mit zunehmender Trockenheit gab es im Jahr 2003, wo von März bis Anfang Oktober kaum Niederschläge zu verzeichnen waren: Alle Grundwasserleiter haben je nach Speichervermögen und Größe des Einzugsgebietes mehr oder weniger zeitverzögert und intensiv reagiert. Allerdings wurden i.d. R. die bis dato dokumentierten Niedrigstwasserstände kaum unterschritten, d.h. die Grundwasserschwankung lag noch innerhalb des langjährigen Bereiches. Die Erholung und Auffüllung der Grundwasserspeicher erfolgte in den Jahren 2004 und 2005 relativ langsam aber konstant; Nachwirkungen aus 2003 sind inzwischen nicht mehr vorhanden.

In 2003 waren vor allem Quellen von der Trockenheit betroffen, indem sie mit deutlichem Schüttungsrückgang reagierten, 2 Quellen der Wasserversorgung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen fielen sogar trocken. Die Leistungsfähigkeit der Trinkwasserversorgung war allerdings nicht in Gefahr, insgesamt gab es bei der öffentlichen WV (noch) keine Engpässe: Nachlassende Quellschüttungen wurden durch Ersatzwasser ausgeglichen bzw. es waren Wassersparmaßnahmen ausreichend. Bei den Brunnen wurde eine geringere Ergiebigkeit (geringere zulaufende Wassermenge) durch längere Pumplaufzeiten kompensiert.

Der relativ niederschlagsarme Sommer 2006 ( während Fußball WM) und fast schneefreie Winter 2006/07 wird sich wieder auf die Grundwasserstände in den kommenden Monaten auswirken, da Herbst und Winter für die Grundwasseranreicherung die wichtigste Zeit darstellen und jetzt nur wenig Grundwasserneubildung stattfindet.

Da gerade Quellen sehr empfindlich auf Trockenperioden reagieren, befindet sich derzeit bayernweit ein Quellenmessnetz im Aufbau um die Auswirkungen der Klimaveränderung auf den Wasserhaushalt frühzeitig erkennen zu können. Mit der Beobachtung von insgesamt etwa 120 Quellen soll vor allem in den Bereichen, in denen die Errichtung von Grundwassermessstellen nur eingeschränkt oder gar nicht möglich ist, anhand einer kontinuierlichen Messung der Quellenschüttung eine Überwachung der Grundwasserquantität gewährleisten werden. Im Amtsbezirk des Wasserwirtschaftsamtes sollen vorerst 6 Quellen in dieses Programm aufgenommen werden.

Sollten sich diese extremen Witterungs-/ Klimaverhältnisse etablieren sind Auswirkungen auf die Grundwasserressourcen und damit auf die quantitative Trinkwasserversorgung mittel- bis langfristig unvermeidlich.

Falls Sie Fragen zur Wasserqualität, Wasserhärte etc. haben, wenden Sie sich bitte an Ihren örtlichen Wasserversorger. Eine Übersicht der örtlichen Wasserversorger werden wir Ihnen hier in Kürze angeben.